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19.06.2004

Ursache und Wirkung
"Forschung" in der BWL

Kann man vom Erfolg unbesehen auf die Gründe des Erfolgs schliessen? Viele begehen den Fehler tagtäglich aus der Gier nach Suchen und Finden von Erfolgsprinzipien.

Zu diesem Thema steht im ALPHA, einer Gratisbeilage zu TA und SZ (19./20.06.2004), ein Artikel von Rolf Dobelli. Er nennt zwei Kardinalfehler. Erstens wird unbesehen vom Resultat auf den Prozess geschlossen, vom Erfolg auf die Strategie. Zumindest müssten Vergleichsfälle untersucht werden, wo bei ähnlichen Bedingungen der Erfolg nicht eintrat. Zweitens wird von den Feststellungen in einem Fall auf ein allgemein gültiges Erfolgsprinzip geschlossen. (Je wilder ein solches Rezept ist, desto grösser sind seine Chancen, für den Nobelpreis in den Wirtschaftswissenschaften nominiert zu werden...LM)

Dass die Mehrzahl der Wirtschaftswissenschafter ihre «Einsichten» ungenügend oder gar nicht hinterfragen beweist, wie selbstgefällig diese Disziplin geworden ist - falls sie früher mal anders war...

Was ist zu tun? Drei Konsequenzen:

  1. Nicht unbesehen vom Erfolg auf die Strategie schliessen.
  2. Keinem BWL-Professor glauben, der nicht auch Beispiele gescheiterter Unternehmen untersucht hat.
  3. Es ist eine Illusion zu glauben, was in der Vergangeheit funktioniert hat, wird auch in Zukunft so gehen.

Vielleicht war es Zufall.

Literatur: (1) Jochen Wegner, "Warum immer ich?", Argon Verlag Berlin, 2004, ISBN 3-87024-604-9, 305 S., CHF 33.40 - (2) Nassim N. Taleb, "Fooled by Randomness", Texere London, 2001, ISBN 1-58799-071-7, CHF 50.90