Nelson Mandela - 90 Jahre alt
Am
18. Juli 2008 kann Nelson Mandela seinen 90.
Geburtstag feiern. Er wurde als Xhosa in
der Transkei (Mvezo) geboren, war Rechtsanwalt und einer der führenden
Anti-Apartheid-Kämpfer
Südafrikas. Dafür büsste er 27 Jahre als politischer
Gefangener. Er war von 1994 bis 1999 der erste schwarze Präsident
Südafrikas. Trotz dieser Vergangenheit versuchte er, den Übergang
von der Apartheid zu einem gleichberechtigen, demokratischen Südafrika
durch einen versöhnlichen Weg zu prägen.
«Versöhnlich» heisst
in diesem Zusammenhang, dass Schweizer BesucherInnen nach einem Südafrikabesuch
im Jahre 2006 berichteten, dass in den Innenstädten de facto
aller Orten noch die Apartheid «blühe», aber auch
eine relativ hohe Kriminalitätsrate herrsche.
Kurze Geschichte der Apartheid
«1911
wurde durch den Mines and Works Act die ungleiche Behandlung
der Weißen und Schwarzen in der Wirtschaft festgelegt. Das
wohl wesentlichste Gesetz der räumlichen Trennung, der Natives
Land Act, wurde 1913 in Kraft gesetzt» (Wikipedia). Ab
1948 regierten die Buren, die während des Zweiten Weltkrieges
mit den deutschen Nazis sympathisierten.
«Die niederländischstämmigen Buren waren durch den
Calvinismus geprägt, welcher Johannes Calvins Prädestinationslehre
(die Lehre von der Vorbestimmtheit des menschlichen Schicksals) weiterentwickelten.
Aus dieser Tradition heraus wurde die Rassentrennung gerechtfertigt
und über Gesetze institutionalisiert» (Wikipedia). Aus dieser
unsäglichen
Konstellation wurde die Erniedrigung der Schwarzen sogar mit der persönlichen
Religion in Einklang gebracht. Die Buren klassierten die südafrikanische
Bevölkerung in vier ethnisch differenzierte „Kasten“ ein:
«Weiße», «Schwarze», «Farbige» und
«Asiaten» (man stelle sich die Willkür der Zuteilungsbehörden
vor!).
Die
Schwarzen organisierten sich im ANC (African National Congress), gegen
den die Polizei mit äusserster Härte und Brutalität
vorging. Ihre Führer wurden gebannt. 1959 wurde der PAC (Pan Africanist
Congress) als militantere Form des Widerstandes gegründet, weil
ihnen der relativ friedliche Weg des ANC keine Änderung der Verhältnisse
in Aussicht stellte. Später gründete auch der ANC einen bewaffneten
Flügel, dessen Leiter zeitweilig Nelson Mandela war. 1964 wurde
Mandela zu lebenslänglicher Haft verurteilt (Häftling #466/64
auf Robben
Island, Zelle Abb. rechts). Zum schwarzen Widerstand zählten aber
auch Leute wie Miriam Makeba, deren Song
«Pata Pata» zu einem Welterfolg wurde.
In
den 70er Jahren entstand ein neues Selbstbewusstsein der Schwarzen
(in der Folge der amerikanischen Black-Power-Bewegung, Malcolm X) unter
Führung von Steve
Biko. Donald Woods schrieb das Buch «Steve Biko - Stimme
der Menschlichkeit», das Richard Attenborough verfilmte:
«Cry Freedom». Peter Gabriel brachte 1980 den Song «Biko»
heraus mit der Textstelle: «You can blow out a candle / But you
can't blow out a fire / Once the flames begin to catch / The wind will
blow it higher». Bemerkenswert in meiner Erinnerung ist im Film
die Szene mit dem Disput zwischen dem Richter und Biko: Der Richter
sprach Biko als «Braunen» an, da seine Hautfarbe ja braun
und nicht schwarz sei. Biko entgegnete, dass er dann den Richter als «Rosa» und
nicht als «Weissen» ansprechen dürfe, da seine
Haut ja rosa und nicht weiss sei. Am 12./13. September 1977 wurde Biko
in einem Gefängnis zu Tode gefoltert. In der Folge des weltweiten
Aufschreis dagegen wurde von der UNO ein Waffenembargo gegen Südafrika
verhängt.
Die USA verhinderten im Sicherheitsrat der UNO 21 Mal
(!) eine Verurteilung Südafrikas durch ihr Veto. Die Vollversammlung
der UNO nahm im Dezember 1973 die «Konvention zur Bekämpfung
und Ahndung des Verbrechens der Apartheid» an, die 1976 in Kraft
trat. Schweizer Banken und Industrieunternehmen haben wiederholt und
massiv die UN-Sanktionen ignoriert und dadurch die Existenz des Apartheid-Regimes
verlängert. Aus meiner persönlichen Korrespondenz zu Weissen
in Südafrika
bestätigten ihre Sichtweise, der ANC wie auch die UNO (!)
seien total kommunistisch unterwandert und die südafrikanischen
Weissen würden sich als Bollwerk gegen den Kommunismus und somit «Retter
der Welt» verstehen.
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1989 übernahm F. W. de Klerk die Nachfolge von
Botha als Staatspräsident. Er nahm Kontakt mit dem inhaftierten
Nelson Mandela auf und wollte von ihm die Abkehr vom bewaffneten Widerstand
erpressen, worauf dieser (auch nach 27 Jahren Haft!) aber nicht einging.
1990 musste de Klerk die politischen Gefangenen von ANC und PAC dann
doch frei lassen. 1992 sprachen sich 68,7% der Weissen in einem Referendum
gegen die Rassentrennungsgesetze aus. In der Folge entspannen sich
heftige Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen schwarzen Gruppierungen
(Bantu, Xhosa, Zulu, Homeland, Townships, ...). 1994 wurde bei den
ersten freien Wahlen der ANC mit 62,6% gewählt. In der Folge übernahm
Mandela die erste Präsidentschaft bis 1999.
Aktuelle
Daten zu Südafrika (Factbook CIA)
The
Elders
2007 gründete Mandela den Rat der Weisen «The
Elders». Mitglieder sind u.a.: Desmond Tutu, Kofi Annan,
Jimmy Carter, Gro Brundtland, Mary Robinson, Aung San Suu Kyi, ...
Desmond Tutu: «The ones who ought to be held in high regard
are not the ones who are military powerful, nor even economically
prosperous». |